Ellens Coming-Out


Ellen DeGeneres schrieb 1997 Fernsehgeschichte, als sie sich sowohl in ihrer Fernsehserie als auch privat als lesbisch outete. Von den einen als Heldin gefeiert, von den anderen als "DeGenerate" ("degeneriert") verdammt, durchlebte sie selbst ein Wechselbad der Gefühle.
Der Film "The Real Ellen Story" dokumentiert die Zeit von der ersten Idee über die tatsächliche Produktion der "Coming-Out"-Folge bis zum Ende der Serie "Ellen" nur ein Jahr nach dem Coming-Out. Die nachfolgende Chronologie orientiert sich an diesem Film.

Frühjahr 1996:
Auf einer Party in ihrem Haus verkündet Ellen dem „Ellen“-Team, daß sie vorhat, Ellen Morgan als lesbisch zu outen. Sie löst damit vor allem bei ihren Autoren Begeisterung aus, die (wie die meisten Zuschauer ebenfalls) schon lange wissen, daß Ellen Morgan sich eigentlich nicht für Männer interessiert. Gar nicht begeistert von dieser Idee sind jedoch die Direktoren des Senders ABC. Schließlich hat es vorher noch nie eine amerikanische Fernsehserie gegeben, deren Titelfigur homosexuell ist.

Sommer 1996:
Während Ellen noch mit den Verantwortlichen von ABC kämpft, und trotz strenger Geheimhaltung erscheinen erste Medienberichte über das geplante Coming-Out, die jedoch wegen der mangelnden Zustimmung des Senders dementiert werden müssen.

September 1996:
Die Dreharbeiten zur neuen Staffel beginnen. Obwohl ABC noch immer nicht zugestimmt hat, werden in die ersten Folgen bereits kleine Hinweise auf das, was kommen soll, eingebaut. Die geplante Coming Out-Episode bekommt den Tarnnamen „Puppy-Episode“. (Angeblich hat ein Programmverantwortlicher einmal zu dem Dilemma, das Ellen niemandem für die Liebe habe, weil sie einen Mann nicht haben wolle und eine Frau nicht haben dürfe, vorgeschlagen, man solle ihr doch einen Welpen, eben einen „Puppy“, beschaffen.)

Herbst 1996:
Die Gerüchte um das Coming Out verstärken sich. Auf einer Publicity-Tour für ihre CD „Taste This“ muß Ellen sich immer wieder neue Dementis einfallen lassen, während sie weiter mit ABC verhandelt. Schließlich bekommt sie das O.K., einen Drehbuchentwurf vorlegen zu dürfen.

Winter 1996 / 1997:
Ellen und das Autorenteam schreiben ein erstes Skript für eine Coming Out–Episode, das jedoch von den Verantwortlichen des Senders abgelehnt wird. Erst der zweite Entwurf findet Gnade vor den Augen der Senderchefs – Ellen Morgan darf ihr Coming Out haben.

März 1997:
Die „Puppy-Episode“ wird mit einem riesigen Staraufgebot aufgezeichnet. Laura Dern spielt die Frau, in die Ellen Morgan sich verliebt, und Talk-Moderatorin Oprah Winfrey tritt als Ellens Therapeutin auf. In Mini-Auftritten ebenfalls dabei sind Demi Moore, Billy Bob Thornton, Ellens Freundinnen k.d. lang und Melissa Etheridge, Gina Gershon und der Country-Sänger Dwight Yoakam.

25. März 1997 (Oscar-Nacht):
Auf einer Party des Glamour-Magazins Vanity Fair lernt Ellen die Schauspielerin Anne Heche kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Der Blitz schlägt so sehr ein, daß Anne, die zuvor nur mit Männern zusammengewesen war, Ellen bereits nach vier Tagen einen Heiratsantrag macht.

April 1997:
Ellen ist auf dem Cover des Time Magazine abgebildet unter der Überschrift „Yep, I´m Gay!“. In einem Interview im Innenteil der Zeitschrift bekennt sie sich erstmals öffentlich zu ihrer Homosexualität.
Zur gleichen Zeit beginnen sie und Anne, sich öffentlich zu zeigen, und treten bald schon offiziell (und gegen die Bedenken von Annes Managern) als Paar auf.
Auf dem „Correspondents Dinner“ in Washington werden sie zusammen mit Präsident Clinton fotografiert. Weil Anne dabei ihren Arm um Ellen gelegt hat, wird das Foto zum Skandal. Ebenfalls für Aufregung sorgt ein Auftritt der beiden in der Oprah Winfrey Show. Annes unverblümte Art, über ihre Liebe zu Ellen zu sprechen, und insbesondere die Tatsache, daß es für sie völlig unproblematisch zu sein scheint, nun mit einer Frau zusammenzuleben, bringt nicht nur Konservative, sondern auch viele Homosexuelle gegen sie auf.

30. April 1997:
Der große Tag ist da. Über 40 Millionen Zuschauer erleben mit, wie Ellen Morgan über einen Flughafenlautsprecher bekennt, lesbisch zu sein. Überall im Land finden sog. Coming-Out-Parties statt. Die Puppy-Episode wird damit zu einem riesigen kommerziellen Erfolg für den so zögerlichen Sender ABC.

Mai 1997:
In den auf das Coming Out folgenden Wochen werden die beiden letzten Folgen der vierten Staffel gezeigt, in denen Ellen sich erst ihren Eltern und dann ihrem Chef gegenüber outet.
 

Nachtrag:
Im September 1997 gewinnen Ellen und ihr Autorenteam einen Emmy, den höchsten amerikanischen Fernsehpreis, für das Drehbuch zur Puppy-Episode.
Die fünfte Staffel von „Ellen“ beginnt im Herbst 1997. Bereits nach den ersten Folgen kommt es zu heftigen Unstimmigkeiten zwischen Ellen und den Verantwortlichen von ABC, weil diese vor Ausstrahlung der Serie einen Hinweis auf möglicherweise jugendgefährdenden Inhalt zeigen wollen. Zudem werden Folgen zensiert, in denen Ellen eine Freundin hat. In dieser Zeit beginnen auch die Einschaltquoten zu sinken, was der Sender auf die Thematik der Serie, Ellen jedoch auf fehlende Unterstützung durch den Sender zurückführt. Im Februar 1998 wird die Serie für einige Wochen ausgesetzt, um auf dem Sendeplatz eine neue Serie zu testen. Ende April schließlich gibt ABC bekannt, die Serie nicht zu verlängern. Nachdem zwei Folgen mit kontroversem Inhalt (in einer macht Ellen ihrer Freundin einen Heiratsantrag) im Giftschrank des Senders verschwinden müssen, wird am 13. Mai 1998 die letzte Folge von „Ellen“ ausgestrahlt.

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